Erfahrungen sind Maßarbeit. Sie passen nur dem, der sie macht. (Carlo Levi)

Das Lotsennetzwerk Thüringen nutzt die Erfahrungen suchtkranker Menschen, um andere Suchtkranke durch die Untiefen des Lebens zu begleiten und das trockene Ufer erreichbar zu machen.

Im Jahr 2008 begann der Fachverband Drogen und Rauschmittel e.V. (heute Fachverband Drogen- und Suchthilfe e.V.) mit dem Aufbau dieses Lotsennetzwerks, weil – trotz vielfältiger Angebote an Hilfen – ein Großteil der suchtkranken Menschen nicht im Hilfesystem ankommen. In den Krankenhäusern trifft man hingegen immer wieder dieselben Patientinnen und Patienten an, die sich in regelmäßigen Abständen einer Entgiftungsbehandlung unterziehen. Mit dem Ziel, diesen „Drehtüreffekt“ zu durchbrechen, begleiten Lotsinnen und Lotsen auf Wunsch der Hilfesuchenden diese eine Zeit lang unter Nutzung der im Netzwerk zur Verfügung stehenden Hilfen.

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass es neben den „Drehtürpatienten*innen“ in Krankenhäusern weitere Zielgruppen gibt, die ggf. über das Lotsennetzwerk erreicht und vermittelt werden können. Mittlerweile werden Hilfesuchende nicht nur über die Akutkrankenhäuser und Fachabteilungen der Akutkliniken vermittelt, sondern beispielsweise auch über die Bewährungshilfe, Jobcenter und Suchtberatungsstellen. Diejenigen Menschen, die in den genannten Einrichtungen ankommen, sind in der Regel nicht nur suchtkrank, sondern auch arbeitslos, haben ggf. ihre Wohnung verloren und z.T. keinen Führerschein mehr. Sie befinden sich in einer Situation, in der eine angebotene Lotsenbegleitung den Wendepunkt einleiten kann.
Darüber hinaus kann das Lotsennetzwerk einen Beitrag leisten, mehr Menschen in die medizinische Rehabilitation Suchtkranker zu begleiten und die „Nichtantrittsquote“ zu senken. Je früher Menschen erreicht werden, umso schneller können Hilfen angeboten und damit weitere Krankheiten verhindert sowie Kosten gespart werden.
Auch angehörige Partner*innen, Eltern und Kinder befinden sich oft selbst in einer scheinbar ausweglosen Situation. Sie erleben über die Jahre, wie sich die Sucht entwickelt und stehen dieser Entwicklung i.d.R. hilflos gegenüber. Scham- und Schuldgefühle sorgen dafür, dass Hilfe nicht gesucht wird. Auf die Dauer kann diese Situation selbst zur Krankheit führen, die die Angehörigen in die Isolation treibt und letztlich den Kreislauf der Sucht stärkt.
Angehörige von Lotsen begleiten deshalb auch Angehörige von suchtkranken Menschen, um ihnen aufzuzeigen, wie sie sich aus dem Kreislauf befreien und wieder eigene Interessen wahrnehmen können. Kinder von abstinent lebenden Suchtkranken können auf diesem Weg mit Kindern noch konsumierender Eltern zusammengebracht werden, damit sie sich über die Lebenssituation austauschen und voneinander lernen können.
Das Lotsennetzwerk Thüringen möchte suchtkranke Menschen und deren Angehörige erreichen, die auf Wunsch von Lotsen*innen begleitet werden wollen, um sich gesundheitlich zu stabilisieren, Rückfälle und Folgebehandlungen zu vermindern und eine Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft zu erleichtern bzw. vorzubereiten.

Es gilt das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe, ganz nach dem Motto (von Willy Meurer):

Hilf einem anderen Menschen
mit seinem Boot über den Strom –
dann wirst auch Du
das andere Ufer erreichen.

Lotsen*innen unterstützen andere Menschen und bekommen selbst wieder etwas für sich zurück.

Lotsennetzwerk Thüringen
Projektleiter
Frank Hübner
Fachverband Drogen- und Suchthilfe e.V.
Dubliner Str. 12
99091 Erfurt
Tel.: 0361 346 17 46
Mobil: 0162 61 755 16
www.lotsennetzwerk.de
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